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Förderung eines gesunden Essverhaltens bei werdenden Eltern und jungen Familien

Eine unkomplizierte Schwangerschaft und ein gesunder Start ins Leben sind die besten Voraussetzungen, um langfristig Gesundheit und Wohlbefinden für Mutter, Kind und die ganze Familie zu gewährleisten. Ein gesundheitsförderndes Essverhalten mit regelmäßigen Mahlzeiten, einer ausgewogenen Ernährung sowie Zeit für Gemeinsamkeit und Genießen liefert hierfür einen entscheidenden Beitrag. Gegenläufig sind jedoch die aktuellen Daten zum Ernährungsverhalten in der deutschen Bevölkerung sowie die mit ungünstiger Ernährung in Zusammenhang stehenden Risikofaktoren für chronische Erkrankungen. So starten mittlerweile 30% aller Frauen in Deutschland ihre Schwangerschaft mit Übergewicht. Ein ungünstiges Essverhalten in der Schwangerschaft und prägravides Übergewicht sind direkte und indirekte Risikofaktorfaktoren für Schwangerschaftskomplikationen, Komplikationen unter der Geburt sowie für späteres Übergewicht, Diabetes und kardiovaskuläre Erkrankungen beim Kind. Mit Überernährung assoziierte Komplikationen rund um die Geburt können sich weiterhin negativ auf die Eltern-Kind-Beziehung auswirken.

Das erste Lebensjahr stellt für Eltern einen ganz besonderen Umbruch in ihrem Leben dar. Neben Elternfreuden ist junge Elternschaft jedoch mit vielen Herausforderungen verbunden. Auch in Bezug auf die Ernährung, denn hier findet für das Kind - angefangen von der „einseitigen“ Ernährung durch die Muttermilch - der vollständige Übergang zur Familienkost statt. Eltern müssen lernen sich an die ständig ändernden ernährungsphysiologischen Bedürfnisse des Kindes anzupassen. Essverhaltensweisen, die sich in der frühen Kindheit etabliert haben bleiben bis in Erwachsenenalter bestehen.

Vor diesem Hintergrund ist es Ziel des Projekts, die Ernährung der werdenden Mutter und die frühkindliche Entwicklung des Essverhaltens im Setting Familie in Thüringen verstärkt zu fördern. Diese beiden Phasen haben entscheidenden Einfluss darauf die kardiovaskuläre Gesundheit in Thüringen langfristig zu verbessern. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf den Ausbau der Verbraucherkommunikation um Verhaltensänderung anzuregen und ist ein Teilprojekt des Kompetenzclusters für Ernährung und kardiovaskuläre Gesundheit – nutriCARD.
nutriCARD wird von Mai 2015 bis April 2018 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Im Rahmen des Projekts wird ein Konzept für die Elternarbeit entwickelt, um junge Eltern zu motivieren eine gesundheitsfördernde familiäre Essumgebung umzusetzen. Es ist davon auszugehen, dass sich ein negatives Essverhalten im ersten Lebensjahr noch nicht etabliert hat und somit eine große Chance besteht dieses positiv zu beeinflussen. Gleichzeitig möchte das Projekt die bestehenden Strukturen in Thüringen nutzen. In Anbindung an den Thüringer Gesundheitszieleprozess und der AG 1.1 wird verstärkt der Austausch von Interessensvertretern und Multiplikatoren gesucht, um Ziele, Maßnahmen und Aktivitäten zu diskutieren und zu bündeln, die ein gesundes Ernährungsverhalten in Schwangerschaft und erstem Lebensjahr fokussieren als wesentlichen Beitrag zur Prävention von Übergewicht und Adipositas. Ein wichtiger Meilenstein für die Sensibilisierung und Aufklärung von werdenden und jungen Eltern ist hierbei auch die Qualifizierung von Multiplikatoren mit den aktuellen Ernährungsempfehlungen.

Entwicklung von Beratungsinstrumenten zur Förderung der familiären Essumgebung mit Fokus auf Eltern in benachteiligten Lebenslagen

Um eine Verhaltensänderung zu bewirken reichen bisherige wissenschaftliche Ansätze, die sich auf die Weitergabe von Empfehlungen zum Nahrungsmittelverzehr konzentrieren - so einfach diese auch formuliert sein mögen - nicht aus. Vielmehr muss den Lebensumständen und Ansichten der jungen Eltern Rechnung getragen werden, besonders von Eltern in benachteiligten Lebenslagen. Hierfür wird es notwendig in der Arbeit mit jungen Familien die gesamte familiäre Essumgebung und determinierende Faktoren zu betrachten. Ein wichtiger Meilenstein innerhalb des Projektes ist es mit Hilfe einer qualitativen und quantitativen Studie zu erfassen was Eltern motiviert die familiäre Essumgebung gesundheitsfördernder auszugestalten. Besonders Kinder und Erwachsene mit niedrigem sozio-ökonomischen Status haben eine ungünstige Ernährung und sind häufiger von Übergewicht und kardiovaskulären Erkrankungen betroffen. Demnach wird erforscht was nötig ist damit diese Eltern adäquat erreicht werden können.

Ansprechpartnerin für das Projekt ist Kerstin Marx.